26.03.2021 – 20 Uhr
Erstausstrahlung

ANNA LUCIA RICHTER & SCHUMANN QUARTETT

Dieses Wiedersehen macht nicht nur Lied-Fans Freude: Anna Lucia Richter, die 2015 mit dem ersten Lied.Lab beim Heidelberger Frühling aufgetreten ist, trifft auf die drei Quartett-Brüder Schumann mit ihrer estnischen Bratschistin Liisa Randalu. Die Ensemblemitglieder waren ihrerseits vor Jahren Teilnehmer der Kammermusik Akademie. Also echte „Frühlings“-Gewächse, die längst erwachsen und erfolgreich geworden sind.

Die Veranstaltung wurde am 19.03.2021 live aufgenommen.

IN DEM GARTEN MEINER SEELE

Anna Lucia Richter ist ehemalige Akademistin des Heidelberger Frühling und mit ihm groß geworden. Zum Lied hat sie eine enge Verbindung. Schon früh improvisierte sie selbst über Gedichte und Texte und setzt sich bis heute sehr stark mit diesen auseinander. Anna Lucia Richter sucht den engen Bezug zur Kunst und dazu findet sie im Lied einen starken Zugang.

Mit Anfang dreißig ist die freischaffende Künstlerin längst auf den großen Bühnen angekommen. Doch mitten in der Pandemie, eine für die Kultur- und Kunstszene schwierige Zeit, tat sich für Anna Lucia Richter eine neue Tür auf. Bei der Arbeit an Mahlers 4. Sinfonie in G-Dur mit Sopransolo, die auch eine stabile tiefere Lage erfordert, kam für Anna Lucia Richter immer mehr die Erkenntnis, dass sie sich in diesem Bereich «zuhause fühlt». Abgeschieden von der Welt wechselte sie deshalb in einer intensiven Arbeitsphase mit ihrer Lehrerin ihr Stimmfach – vom Sopran zum Mezzosopran. Ein Wechsel, mit dem Anna Lucia Richter ihrer «natürlichen» Stimme näherkommen möchte. Ihr Programm bei „Lasst uns spielen!“ ist eines ihrer ersten, die sie als Mezzosopran singt.

PROGRAMM

Anna Lucia Richter Mezzosopran

Schumann Quartett:
Erik Schumann Violine
Ken Schumann Violine
Liisa Randalu Viola
Mark Schumann Violoncello

Gustav Mahler
Rheinlegendchen (bearb. Max Knigge)
Blicke mir nicht in die Lieder (bearb. Stefan Heucke)
Ich atmet einen linden Duft (Heucke)
Ich bin der Welt abhanden gekommen (Heucke)

Johannes Brahms
Fünf Ophelia-Lieder (bearbeitet von Aribert Reimann)
1. Wie erkenn ich mein Treulieb
2. Sein Leichenhemd weiß wie Schnee
3. Auf morgen ist Sankt Valentins Tag
4. Sie trugen ihn auf der Bahre bloß
5. Und kommt er nicht mehr zurück

Johannes Brahms
2. Satz Andante aus dem Streichquartett B-Dur op. 67

Henri Marteau
aus den Acht Liedern Op. 10
Tränentropfen
Als die Liebe kam
In dem Garten meiner Seele
Sonnenlied

Anton Webern
Langsamer Satz für Streichquartett (1905)

Hugo Wolf
ausgewählte Lieder (Bearbeitung Stefan Heucke)
Storchenbotschaft
Denk es, o Seele
Der Feuerreiter

LIEDTEXTE

ZUM PROGRAMM

Mit seinen Vertonungen von „Wunderhorn“-Texten erschließt sich Gustav Mahler endgültig die Gattung Lied: Dank dieser Vorlagen, in deren Textgestalt er behutsam eingreift, kann er das Schlichte darin mit seinem eigenen Kunstanspruch verbinden. Mahlers Weltschmerzlieder nach Texten des Dauerschmerzdichters Rückert handeln von Einsamkeit, Rückzug, Abschied und der Abstinenz alles Äußerlichen.

Johannes Brahms‘ Opuskatalog umfasst mehr als 120 Lied-Einträge. Seine „Ophelia“-Lieder WoO 22 hat er 1873 für die Schauspielerin Olga Precheisen komponiert – ein Indiz dafür, dass er für den Vortrag nicht unbedingt eine ausgebildete Gesangsstimme zur Voraussetzung gemacht hat. Auch hier bleibt die Tradition von Volksliedbearbeitungen erkennbar. Die fünf Lieder sind knapp gehalten, kommen ohne Vor- oder Zwischenspiele aus und leben von einer meist akkordischen Begleitung.

„Besten Dank für Brief und Sendung der Quartettlieder op. 10“, schreibt Max Reger an seinen Freund Henri Marteau. „Ich bin sehr froh, dass Du mir diese Lieder gesandt hat, und sage Dir ganz offen meine Meinung: es sind ausgezeichnet schöne Lieder!“ 1906 war diese Sammlung, deren Texte mit Ausnahme des ersten Liedes von Marteaus Frau Agnes stammen, im Druck erschienen, gleichzeitig mit einem Klavierauszug. Dieser jedoch diente, wie eigens vermerkt wurde, „nur zum Einstudieren“.

Es ist einer der seltsamsten und zugleich herrlichsten Produktionsschübe gewesen, die je einen Komponisten befallen haben dürften. Sein Vater war gestorben, und Hugo Wolf zog sich im Mai 1887 nach Perchtoldsdorf – heute Stadtteil von Wien – zurück. Er komponierte nicht. Er las. Mörike. Neun Monate später komponierte er zunächst den „Tambour“.  Innerhalb eines Monats entstehen 25 Lieder nach Mörike-Texten, bis Ende November liegen 53 Lieder vor. Dabei fängt er das balladenhaft-ausschweifende Moment (wie im „Feuerreiter“) ebenso ein wie den Schein einer angedeutete Kulisse im Angesicht des allgegenwärtigen Todes in „Denk es, o Seele“. Die „Storchenbotschaft“ schrieb Wolf an einem Nachmittag im März, nachdem er morgens noch „verzweifelt“ war, „da mir absolut nichts einfallen wollte“. Musikalisch ist dieses Lied viel komplexer als Mörikes unbeschwerter Spaß erahnen lässt. Zwei Störche lassen den Schäfer wissen, dass er Vater von Zwillingen geworden ist – und Wolf variiert in den sechs Strophen ein dissonantes Klaviermotiv auf immer neue Weise.

Christoph Vratz

ANNA LUCIA RICHTER (Mezzosoporan)

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Anna Lucia Richter entstammt einer großen Musikerfamilie. Als langjähriges Mitglied des Mädchenchores am Kölner Dom erhielt sie seit ihrem neunten Lebensjahr Gesangsunterricht bei ihrer Mutter Regina Dohmen. Im Anschluss wurde sie von Prof. Kurt Widmer in Basel ausgebildet und schloss ihr Gesangstudium mit Auszeichnung bei Frau Prof. Klesie Kelly-Moog an der Musikhochschule Köln ab. Weitere Anregungen erhielt sie von Christoph Prégardien, Edith Wiens und Margreet Honig. Im Frühjahr 2020 leitete die Künstlerin einen Fachwechsel zum Mezzosopran ein in enger Absprache mit der Gesangsexpertin Prof. Tamar Rachum, die sie auch weiterhin betreut. Die Künstlerin erhielt zahlreiche Preise, darunter der prestigereiche Borletti-Buitoni Trust Award.

Inzwischen ist die Künstlerin weltweit unterwegs. Die Einladung, im Sommer 2020 die Rolle der Zerlina in Mozarts Oper Don Giovanni unter Teodor Currentzis bei den Salzburger Festspielen zu singen, musste Pandemie bedingt leider verschoben werden. Ein wichtiges Projekt ist aber die Eurydice/La Musica in Monteverdis Orfeo in der viel beachteten Produktion von Sasha Waltz, die an der Staatsoper Unter den Linden aus der Taufe gehoben wurde.

Großartige Konzertprojekte stehen 2020/2021 auch auf internationalem Parkett an: u.a. singt sie die ihr besonders vertraute 4. Symphonie von Gustav Mahler mit dem Nederlands Philharmonisch Orkest im Concertgebouw, Amsterdam, unter Lorenzo Viotti, weiter in Bremen, Bochum und Mailand. Konzerte mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Gustavo Gimeno in Tel Aviv und Haifa im November mussten leider abgesagt werden.

Mit den Münchner Philharmonikern unter der Leitung von Valerie Gergiev ist sie mit diesem Werk für eine Tournee durch Asien, u.a. in Peking, Tianjin, Najing, Shanghai und Seoul gefragt. Auf Tournee geht sie mit dem Freiburger Barockorchester: London (Wigmore Hall), Bath, Stuttgart (Liederhalle) und Berlin (Berliner Philharmonie) mit Arien aus Händels Oper Semele und Telemann´s Kantate Ino. Kurzfristig singt sie Mahlers Wunderhorn-Lieder mit den Dresdner Philharmonikern unter Vasily Petrenko.

Anna Lucia Richter arbeitete in letzter Zeit häufig mit Teodor Currentzis und MusicAeterna, u. a. in einer konzertanten Aufführung von Mozarts La Clemenza di Tito, mit dem London Symphony Orchestra und Bernard Haitink, Giardino Armonico und Giovanni Antonini, dem Orchestre de Paris und Thomas Hengelbrock sowie dem Budapest Festival Orchestra unter Iván Fischer. Mit diesen Ensembles gastierte sie auch wiederholt bei großen Festivals wie dem Lucerne Festival, bei den BBC Proms in London, beim Schleswig-Holstein Musik Festival oder als ‚Artist in Residence‘ beim Rheingau Musik Festival 2018 sowie in der Kölner Philharmonie 2018/19.

Im Bereich Lied ist Anna Lucia Richter mit einem umfangreichen Repertoire in allen großen Liedzentren zu Gast, z. B. bei der Schubertiade Schwarzenberg, der Schubertiada Vilabertran, dem Rheingau Musik Festival, beim Heidelberger Frühling oder der Wigmore Hall London. Ihr US-Debüt gab sie mit drei Liederabenden in New Yorks Park Avenue Armory, begleitet von Gerold Huber, ein weiteres US-Rezital in der Weill Hall der Carnegie Hall mit ihrem viel beachteten und außergewöhnlichen Liederkreis-Programm gemeinsam mit Michael Gees mit Eichendorff-Vertonungen und Improvisationen. Bei den Salzburger Festspielen 2019 gab sie zusammen mit Mitsuko Uchida und Jörg Widmann ein Kammerkonzert.

In der Saison 2018/2019 begann für Anna Lucia Richter eine dreijährige Residenz als "Junge Wilde" am Konzerthaus Dortmund: als Auftakt sang sie Anfang 2019 einen Schubert-Liederabend zusammen mit Gerold Huber. Das Programm „Heimweh“ erschien kurze Zeit später auf CD, gleichzeitig Anna Lucia Richters Debüt-CD beim Label Pentatone. Im Frühjahr 2020 folgte ein Konzert mit dem Ensemble Claudiana, ein Monteverdi-Abend unter dem Titel: Il delirio della passione und im Frühjahr 2021 gibt sie zusammen mit dem Schumann-Quartett ein Konzert mit Reimann-Bearbeitungen von Liedern von R. Schumann und F. Mendelssohn Bartholdy.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte der offiziellen Website der Künstlerin.

SCHUMANN QUARTETT

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Erik Schumann
Ken Schumann
Liisa Randalu
Mark Schumann

Das Schumann Quartett ist dort angekommen, wo alles möglich ist, weil man auf Sicherheiten verzichtet. Das schließt auch das Publikum mit ein, das sich Abend für Abend auf alles gefasst machen muss: „So wirklich entwickelt sich ein Werk nur live“, sagen sie, „das ist ‚the real thing‘, weil wir vorher selbst nie wissen, was passiert. Spätestens auf der Bühne fällt jede Imitation weg, man wird automatisch ehrlich zu sich selbst. Dann kann man in der Musik eine Verbindung mit dem Publikum herstellen, kommunizieren.“ Die Live-Situation wird in naher Zukunft noch weiter aufgeladen: Sabine Meyer, Menahem Pressler, Andreas Ottensamer und Anna Lucia Richter zählen zu den aktuellen PartnerInnen der Vier. Ein besonderes Highlight der Saison 20/21 stellt die Einladung nach Tokio in die Suntory Hall dar. Des Weiteren wird das Quartett in Nordamerika und Asien auf Tour gehen, zu Gast bei Festivals in Deutschland, in der Schweiz und den Niederlanden sein und Konzerte in den großen Musikmetropolen Zürich, Hamburg, London, Berlin und Madrid spielen. Außerdem wird das Quartett zusammen mit der Sopranistin Katharina Konradi zwei besondere Programme in Barcelona und Madrid darbieten können.

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