Sarah Christian
Photo: Marco Borggreve

14.04.2021 – 20 Uhr
Erstausstrahlung

ALL’ONGARESE

Wie ungarisch klingt Mozart? Das Streichtrio Christian-Lisboa-Hornung zeigt es mit viel leidenschaftlicher Spielfreude.

Die Veranstaltung wurde am 29.03.2021 live aufgenommen.

PROGRAMM

Sarah Christian Violine

Jano Lisboa Viola

Maximilian Hornung (Violoncello)

Sandor Veress
Streichtrio (1954)

Wolfgang Amadeus Mozart
Divertimento KV 563

ZUM PROGRAMM

Sándor Veress – Melodie – I

Der Komponist Sándor Veress gilt als einer der bedeutendsten Komponisten in seinem Heimatland Ungarn. In Budapest studierte er Komposition bei Zoltán Kodály und Klavier bei Béla Bartók. Gemeinsam mit diesen beiden Musikern wirkte er an der Gesamtausgabe ungarischer Volksliedmelodien mit. Eine Generation später ist Veress der Nachfolger Kodálys am Lehrstuhl für Komposition und unterrichtet György Ligeti und György Kurtág. Vom Standpunkt der Musikgeschichte Ungarns aus betrachtet ist Veress ein wichtiges Verbindungsglied zwischen drei Generationen von ungarischen Komponisten. Im Zuge der Stalinisierung der ungarischen Innenpolitik emigrierte er 1949 in die Schweiz. Veress sah sich Zeit seines Lebens und trotz jahrzehntelanger Verankerung und Verehrung in der Schweiz als ungarischer Komponist im Exil. Die Emigration war für Veress eine einschneidende Erfahrung, die sich auch in seiner kompositorischen Arbeit niederschlug. Sein Wirken lässt sich deutlich in zwei Schaffensperioden teilen, der späteren ist sein einziges Streichtrio zuzuordnen. Er komponierte es innerhalb kürzester Zeit im Sommer 1954 und widmete es ungarischen Musikern, die er bereits aus Ungarn kannte und die wie er aus politischen Gründen in den Westen emigriert waren. Das 2-sätzige Streichtrio ist technisch wie musikalisch sehr anspruchsvoll und gilt als dodekaphones Meisterstück von Veress. Doch Veress stellte seine Zwölf-Ton-Komposition in einen Klangkontext, der von seiner Arbeit mit der traditionellen ungarischen Volksmusik geprägt ist. Er selbst sagte über seine kompositorische Arbeit: „Ich beginne mit der Melodie, von dieser gelange ich zur Reihe. Die Zwölftöner beginnen mit der Reihe und – gelangen nirgendwo hin (nämlich nicht zu der Melodie).“ In diesem Sinne werden Sie im 1. Satz des Streichtrios Zwölftonreihen hören, die starke melodische Qualitäten haben, und immer wieder werden modale, quasi volksliedartige Momente aufleuchten. Unterschiedlich lange und stark rhythmisierte Sechszehntelgruppen, in die eine Zwölfton-Reihe einkomponiert ist, prägen den 2. Satz gemeinsam mit Schlagelementen, die durch Klopfen mit dem Fingerknöchel auf den Resonanzkörper des Instruments zustande kommen. In der zweiteiligen Großform eines langsamen ersten Satzes und eines schnellen zweiten Satzes orientiert sich Veress an einem Modell, das in der ungarischen Volksmusik gebräuchlich war: langsamer Satz – singen, schneller Satz – tanzen.

Mozart – Melodie – Stunde null

„Wir müssen alle unsere Bleistifte und Federn aus der Hand legen angesichts des Genies von Mozart.“ Dies sagte Jörg Widmann in einem Interview im Jahr 2006. Lassen Sie sich also vom Titel „Divertimento“ nicht täuschen. Sie werden keine leichte, unterhaltsame musikalische Kost hören. Mozarts Divertimento Es-Dur KV 563 ist mit fast einer dreiviertel Stunde Spieldauer die längste kammermusikalische Komposition Mozarts. Und eine der schwersten dazu – spieltechnisch gesehen. Die drei Instrumente Violine, Viola und Violoncello sind außerordentlich ausgewogen und sehr konzertant geführt. Mal fungiert die Geige als Begleitinstrument, mal übernimmt die Bratsche den Bass, mal trägt das Cello die Melodielinie. Die raschen Stimmenwechsel müssen bei der Interpretation reibungslos funktionieren. Mozart selbst übernahm bei vielen Gelegenheiten, u. a. bei der Uraufführung, den Part der Bratsche. Das Divertimento KV 563 ist Mozart einziges vollständiges Streichtrio und gleichzeitig ein Höhepunkt der Gattung. Der Komponist trug die Fertigstellung des Es-Dur-Trios am 27. September 1788 in sein eigenhändig geführtes Werkverzeichnis ein. Er bezeichnete es als „Ein Divertimento à 1 violino, 1 viola, e Violoncello; di sei Pezzi“. Das Stück erscheint auf den ersten Blick mit seiner Ablage in sechs Sätze relativ konventionell. Auf ein Allegro und ein Adagio, jeweils in Sonatenhauptsatzform, folgen ein erstes Menuett mit Trio, ein Variationensatz, ein zweites Menuett mit zwei Trios, und ein Rondo. Doch sind die Sätze in sich und wie sie miteinander verbunden sind äußert kunstvoll, harmonisch reich und kontrapunktisch meisterhaft und weisen auf den Spätstil Mozarts hin. Mozart komponierte das Divertimento im August und September 1788, unmittelbar nach der Vollendung seiner letzten drei Sinfonien.

Dr. Anne Röwekamp

SARAH CHRISTIAN (Violine)

Sarah Christian
Photo: Marco Borggreve

Sarah Christian, geboren in Augsburg, absolvierte ihr Studium bei Antje Weithaas an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Von 2013 bis 2016 hatte sie dort auch einen Lehrauftrag als ihre Assistentin inne. Ihren ersten Studienabschnitt bei Igor Ozim an der Universität Mozarteum Salzburg schloss sie im Alter von 20 Jahren mit höchster Auszeichnung ab. Wichtige musikalische Anstöße erhielt sie in Meisterkursen bei Thomas Brandis, Donald Weilerstein, Rainer Schmidt, Maxim Vengerov und bei Miriam Fried.

Seit 2013 ist Sarah Christian 1. Konzertmeisterin der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Neben Projekten mit renommierten Dirigenten und Solisten genießt sie vor allem auch die Möglichkeit immer wieder selbst vom Pult aus zu leiten. In dieser Position hat sie sich bereits einen Namen gemacht und ist regelmäßig zu Gast bei anderen Orchestern wie zum Beispiel dem Deutschen Sinfonieorchester Berlin, dem BBC Symphony Orchestra oder der Kammerakademie Potsdam.

JANO LISBOA (Viola)

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Geboren in Viana de Castelo in Portugal, erhielt Jano Lisboa bereits früh Klavierunterricht. Im Alter von 13 Jahren tauschte er das Klavier gegen die Viola. Er setzte seine Ausbildung bei Kim Kashkashian am New England Conservatory in Boston fort und schloss sein Studium in den USA mit dem Master of Music ab. Außerdem studierte er Streichquartett bei Rainer Schmidt (Hagen Quartett) an der Reina Sofia Music School in Madrid. Regelmäßig tritt Jano Lisboa bei Solo - und Kammermusikkonzerte in Europa, USA, Brasilien und Afrika auf.

Jano Lisboa arbeitete mit Tigran Mansurian an dessen Violakonzert "…and then I was in time again", das 2006 mit dem Algarve Orchestra in Portugal uraufgeführt wurde. Sein Beitrag zur Förderung von portugiesischer Musik war die Aufführung von Fernando Lopes-Graças Viola Concertino mit dem Orquestra do Norte und das Viola Konzert von Alexandre Delgado mit dem Gulbenkian Orchestra in Lissabon.

MAXIMILIAN HORNUNG (Violoncello)

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Mit bestechender Musikalität, instinktiver Stilsicherheit und einer außergewöhnlichen musikalischen Reife erobert der Cellist Maximilian Hornung die internationalen Konzertpodien. Als Solist konzertiert er mit so renommierten Klangkörpern wie dem London Philharmonic Orchestra, dem Pittsburgh Symphony Orchestra, dem Philharmonia Orchestra, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Orchestre National de France, der Tschechischen Philharmonie, den Wiener Symphonikern, dem Swedish Radio Symphony Orchestra, der Kammerphilharmonie Bremen, dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und den Bamberger Symphonikern. Er musizierte gemeinsam mit dem Arcanto Quartett und dem Cuarteto Casals und wird von zahlreichen Festivals eingeladen, darunter Schwetzingen, die Salzburger Festspiele, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Rheingau, Luzern, Verbier, Lockenhaus, Ravinia und Hong Kong. Regelmäßig ist er zu Gast auf Podien wie den Philharmonien Berlin, Köln und Essen, dem Wiener Musikverein, dem Concertgebouw Amsterdam und der Londoner Wigmore Hall.

Weitere Konzerte bei "Lasst uns spielen!"
Maximilian Hornung
Photo: Marco Borggreve

Freitag 09.04. – 20 Uhr

KOSMOS JÖRG WIDMANN
HEIDELBERGER DUOS
08 & 09_POGOSTKINA_Pogostkina-3-@Nikolaj-Lund_PSOunc

Sonntag 18.04. – 16 Uhr

POGOSTKINA &
HORNUNG

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